1.  Lauterbachs Pläne für eine „Revolution“ der Versorgung

Letzte Woche hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zusammen mit der zuständigen Regierungskommission Reformvorschläge für das Gesundheitssystem gemacht. Darin ist sogar von einer Revolution die Rede. Das Kernproblem für die derzeit angespannte Situation in Krankenhäusern sei die Finanzierung über die Fallpauschalen, also das sogenannte DRG-System. Krankenhäuser kämen dadurch in eine Art Hamsterrad, da sie immer so billig wie möglich und so viel wie möglich behandeln, so der Gesundheitsminister. Dieses Problem soll nun angegangen werden und den Schwerpunkt Lauterbachs Arbeit bilden. Ein Expertenteam hat dafür ein Konzept erarbeitet, nachdem Kliniken künftig nach drei neuen Kriterien honoriert werden sollen. Erstens, um den wirtschaftlichen Druck zu nehmen, sollen Krankenhäuser einen Festbetrag als Vorhaltekosten erhalten. Zweitens sollen Kliniken in drei Level eingestuft werden, Grundversorgung, Regel- und Schwerpunktversorgung und Maximalversorgung, und auch dementsprechend gefördert werden. Und Drittens sollen bisher grob eingeteilte Fachrichtungen wie die Innere Medizin durch genauer definierte Leistungsgruppen, wie zum Beispiel Kardiologie, ersetzt werden. Parallel dazu, soll das DRG-System weiterentwickelt werden. Lauterbach sagte dazu: „Wir haben die Ökonomie zu weit getrieben. Eine gute Grundversorgung für jeden muss garantiert sein […]. Momentan werden zu oft Mittelmaß und Menge honoriert.“

Quelle:springerpflege.de
Quelle:bundesgesundheitsministerium.de

2. Meinungen aus der Pflege zur Krankenhausreform

Mehrere Pflegeverbände haben sich zu den neuen Vorschlägen geäußert und die Meinungen zeigen eine positive Tendenz. Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerat, sieht durch die Reform die „sichtbar fehlerhaften Anreize“ des DRG-Systems unterbrochen. Sie betonte allerdings auch, dass eine Krankenhausreform von einer Reform über alle Sektoren des Gesundheitswesens hinweg begleitet werden muss. Wichtig sei ihr, dass Pflegekräften die nötige Handlungsautonomie zugeteilt wird. Christine Bienstein, Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe, stimmte Vogler größtenteils zu. Sie sagt, eine Reform, die sich am tatsächlichen Bedarf an pflegerischer und medizinischer Versorgung orientiert, und sektorenübergreifend angelegt wird, sei längst überfällig. Der Erfolg hänge am Ende von der Ausgestaltung im Detail ab.

Quelle:springerpflege.de

3. Atemwegserkrankungen auf dem Höchststand

Während der Pandemie gab es in den Wintermonaten der letzten zwei Jahre weniger Erkältungs- und Grippeviren. Doch diese sind wiedergekommen, und außergewöhnlich viele Menschen sind davon betroffen. Laut Robert-Koch-Institut leiden aktuell mehr Menschen unter akuten Atemwegsinfektionen als auf dem Höhepunkt früherer Grippewellen. Auch die Zahlen der Krankenhauseinweisungen und Arztbesuche diesbezüglich hat zugenommen. Die Gesamtsituation und genaue Ursachen lassen sich laut RKI nicht so leicht erfassen. Fest steht, dass die Grippewelle dieses Jahr früher begonnen hat als sonst, nämlich bereits Ende Oktober. Üblicherweise sei der Höhepunkt von Grippewellen nach dem Jahreswechsel, doch momentan sei der weitere Verlauf nur schwer vorauszusagen. Eine gute Nachricht gibt es dennoch: die befürchtete Corona-Winterwelle lässt noch auf sich warten und die Sieben-Tage-Inzidenz verhielt sich zuletzt relativ stabil. 

Quelle:tagesschau.de

4. Versorgungsengpässe in Kinderkliniken dauern an

Wie wir bereits letzte Woche berichteten, kommt es derzeit zu starken Engpässen in der Versorgung von Kindern in Krankenhäusern. Diesbezüglich hatte Lauterbach vorgeschlagen, Personal von anderen Stationen in der Kinderheilkunde einzusetzen. Die Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste, kurz DGF, mahnte an, dass Pflegekräfte aus der Erwachsenenpflege nicht die nötigen Kompetenzen mitbringen, um in der Neonatologie oder Pädiatrie zu arbeiten. Ein hoher Anteil an spezialisiertem Fachwissen sei hier gefordert, genauso wie eine ausreichende Einarbeitungszeit. Außerdem führe eine solche Umverteilung zu moralischer Mehrbelastung und könnte weitere Berufsausstiege zur Folge haben. Ein Vorschlag zur Verbesserung kommt von Thomas Busse von der Frankfurt University of Applied Sciences. Er sagt, Arbeitsplätze müssten kurzfristig attraktiver werden, zum Beispiel durch eine Steuerbefreiung für Nachtdienste oder die Entbürokratisierung der Arbeitsanforderungen. 

Quelle:bibliomed-pflege.de

5. Personalmangel bei Rettungsdiensten

Nicht nur Kliniken leiden derzeit unter Personalengpässen. Ein neu gegründetes Bündnis aus Verbänden und Gewerkschaften der Rettungsdienste hat diese Woche Alarm geschlagen. Die Rede ist von einem dramatischen Personalmangel und einer nie dagewesenen Berufsflucht. Gleichzeitig steigen die Einsatzzahlen, in einigen Regionen sogar um bis zu 20%. Dabei handle es sich oft um Bagatelleinsätze, für die der Rettungseinsatz unnötig wäre. Daher seien viele Mitarbeite frustriert. Das Bündnis fordert deshalb, den Rettungsdienst als relevanten Teil des Gesundheitssystems anzuerkennen. Außerdem wird von der Politik eine Ausbildungsoffensive gefordert, damit mehr Menschen Zugang zu den Berufen im Rettungsdienst finden. Zurzeit gibt es Tarifverhandlungen zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und den kommunalen Arbeitgebern zu neuen Arbeitszeiten. 

Quelle: aerzteblatt.de

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